Eis und Feuer. Almaty.

Eis und Feuer. Almaty.

City Break

Almaty ist eine klassische Stadt der Kontraste. Das ist naturgegeben. Die Stadt liegt an der Trenngrenze von zwei diametral entgegengesetzten geografischen Elementen. Auf der einen Seite liegt die weltweit größte Hochgebirgsregion, die sich gleichmäßig bis zum Himalaya streckt und beim hitzigen Tiefland des Ganges und Indus abstürzt. Auf der anderen Seite bietet sich eine Aussicht über die grenzenlose Ebene der Großen Steppe, die über das westsibirische Tiefland bis zum erstarrten Arktischen Ozean reicht. An diesen Facetten von Almaty befinden sich die tropische Hitze und arktische Kälte von einander nur einen Augenblick entfernt. Im Sommer können Sie gleichzeitig die glühenden Wüsten als auch nicht schmelzende Eismasse von den Straßen der Großstadt ansehen.

Gebot der Natur!

Erstaunlicherweise ist diese Trenngrenze nicht nur auf der Landmappe, sondern auch innerhalb der Region ganz deutlich. Der vergletscherte Bergrücken von Transili-Alatau starrt wiederum über der Stadt in die Höhe von vier Kilometer. Das kommt ziemlich selten auf der Erde vor. In der Regel sind die hohen Berggipfel und die Ebenen mit einem langen Gürtel des Vorlands aufgetrennt. Deswegen kann man auch die prominentesten Gipfel der Alpen vom Bergfuß aus oft so gut wie nicht sehen.

Die Bezeichnung Transili verdankt dieses nördliche Teilgebirge von Tian Shan Herrn Pjotr Semjonow, der damals noch seinen Ehrentitel Tian-Schanski nicht trug. Dieser Geograph erkannte es zum ersten Mal im Rahmen der sogenannten wissenschaftlichen Rekognoszierung im Jahre 1856:

"Am 29. August... habe ich... beim Passieren des schmalen Porphyrkamms zum ersten Mal den gigantischen Gebirgszug von Transili-Alatau mit seinem glänzenden ewigen Eis in der vernebelten Ferne begeistert bemerkt."

Pjotr Semjonow war auch der Erste, wem die geografische Einzigartigkeit der neu gegründeten Siedlung Werny an der Ostgrenze des damaligen Russischen Kaiserreiches (heute: Almaty) aufgefallen wurde:

"Nirgendwo in Eurasien konnte ich ein höheres Gebirge in gleicher Nähe ansehen. In Schweizer Alpen, Kaukasien, Türkistan oder höheren Gebieten des Tian Shan sind die Schneegipfel nur bei großer absoluter Höhenlage erkennbar. Dabei erstrecken sich diese auch nirgendwo in einer Höhe von 4000 oder 4500 Meter über den Ansehenden wie der Gipfelgrat von Transili-Alatau, der über dem Tiefland von Ili unmittelbar ragt."

So ein wertvoller Beleg vom Vater der russischen Erdkunde!

Greifbare Geografie

Die geografischen Entdeckungen kann man in Almaty nicht nur besinnen, sondern auch angreifen. Kommen Sie bei gutem und klarem Wetter (idealerweise nach einer Regennacht) in den oberen Anteil der Stadt in Höhe von Satpaev-Prospekt-Straße, bekommen Sie eine wunderbare Aussicht im Süden und Norden über die Straßen. So was kann man nie in der Welt ansehen! Im Norden verbreitet sich das grenzenlose Flachland vom Stadtrand über die ganze Sehweite bis an den waagerechten Horizont. Im Süden zeigt sich nur das kolossale gezackte Gebirge von Transili-Alatau in all seiner Schönheit.

Gönnen Sie sich aber eine Minute! Der Orient mag ja die Ruhe. Richten Sie Ihren Blick zuerst nach Norden. Was für ein Stück Gelbe können Sie hinter den Stadtvierteln von Almaty und grüner Linie der benachbarten Felder sehen? Da liegt die wahre Sandwüste Mujunkum, die sich um die regenarme Hochebene Karoy im Osten schlängelt. Die schmale Mujunkum-Sandstrecke zieht sich den Fluss Qaskeleng entlang und lehnt sich an den Qapschaghai-Stausee an. Diese Wüste ist vom Stadtzentrum ca. 25 Kilometer entfernt.

Mit der Mujunkum-Wüste ist aber immer Ernst. Hier finden Sie alles, was man von einer Wüste gehört hat, lediglich ohne Kamelzüge. Die Sicheldünen, Saxaul-Büsche, unerträgliche Hitze und Sandstürme sowie die Schildkröten, Schlangen und Dschinn gibt es natürlich hier.

Wenden Sie nun Ihren Blick in umgekehrter Richtung und fokussieren Sie sich auf das Gebirge. Was glänzt so blendend auf den Berggipfeln im mittäglichen Sonnenlicht? Hier sehen Sie den wirklichen Gletscherwall am Flussoberlauf von Malaja Almatinka und Talghar.

Das über hunderte Meter tiefe Eis streckt sich viele Kilometer lang über die Bergtäler und liegt an Berggipfeln. Es verbirgt alles, wofür dieses arktische Medium so berühmt ist: die Schönheit und Gefährlichkeit von bergtiefen Kluften und klangvollen Bächen, die sich die Eisbrüche hinab stürzen, sowie von natürlichen Wasserbecken, die jeden Augenblick neue abgelöste Eisschollen aufnehmen, und prickelndem Polarhauch, der vom schmelzenden Eis ausgeht. Diese Gletscher sind auch 25 Kilometer von der Stadt entfernt.

Das Eis und Feuer liegen hier also im Abstand von wenigen 50 Kilometer. Der größte Anteil dieser Distanz entfällt auf die Straßen und Häuser der Stadt.

Siebenmeilenstiefel braucht man nicht mehr

Demzufolge kommt es in unserer Stadt zu einer zauberhaften Umwandlung von üblichen Grundsätzen der Natur. Die sogenannte horizontale Zonalität lässt sich mit der Höhenstufung vertauschen. Während sich die Strecke im Norden von der Wüstenlinie bis zum ewigen Eis der Arktis über tausende Kilometer hinweg dehnt und die Steppen, Wälder, Taiga und Tundra einbezieht, schrumpft diese in südlicher Richtung über die gleichen Landschaftstype zu einer unmittelbaren Reichweite.

Diesem Phänomen verdankt Almaty sein Freizeitwert. Diese Stadt besitzt einzigartige Erholungs- und Freizeitressourcen, die nirgendwo auf der Erde zu finden sind. Nur hier können die Gäste innerhalb von wenigen Stunden alles zwischen der glühenden Wüstenzone und dem eiskalten arktischen Gebiet durchreisen und ansehen. Und schon mit dem Straßenverkehr!

Die spektakuläre Lage der Großstadt begünstigt die einzigartige Entwicklung im Bereich Wintersport, Tourismus und Aktivurlaub. Die heimischen Bergsteiger bewältigen die meisten Viertausender in der Nähe während eines Tages, als ob das ein Wochenendausflug sei. In Almaty praktiziert man den Wochenendalpinismus als endemische Sportart.

So zu sagen, ist jeder kühne Glücksspieler aus dem Kasino in Qapschaghai (das ist eine Satellitenstadt am Rand der erwähnten Mujunkum-Wüste) in der Lage, am frühen Morgen nach dem nächtlichen Hasardieren ohne Gepäck eine Bergwanderung zu unternehmen und bereits gegen Mittag mit einer Aufstiegsroute des I. oder II. Schwierigkeitsgrades den Gipfel Pik Abaya (4010 m) zu erreichen. Am Abend wird er ruhig zum Wohl des eigenen Lebens in der Stadt zurück und kann sich seelisch in einem gemütlichen Restaurant erholen. Es gibt es genug Gaststätten in unserer schönen Großstadt!

Stimmen Sie mal zu: Das ist wirklich extrem cool! Diese Gelegentlich bereitet uns die Natur selbst. Man darf sie nicht entgehen lassen!

Fotos:

1. See am Bogdanowitsch-Gletscher in der engsten Nähe von Almaty

2. Sicheldünen von Mujunkum-Wüste

3. Blühende Aprikosenbäume mit Eisgipfeln im Hintergrund. Typisches Bild von Almaty

4. Aussicht auf die Stadt vom am nächsten liegenden Berg Kök-Töbe

5. Vereiste Felsen können Sie von jedem Platz in Almaty ansehen

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