Historische Denkmäler aus der Zeit der Goldenen Horde und des Kasachen-Khanats

Cultural heritage

Dieser Artikel ist für alle geschichtlich Interessierten verfasst, die sich für die Geschichte des kasachischen Volkes, seine uralten Legenden, Sagen und zauberhafte orientalische Märchen interessieren

Über Jahrhunderte hinweg wurde Kasachstan als souveräner und unabhängiger Staat entwickelt. Dabei war die Geschichte seiner Entstehung und Bildung kaum konsequent. Die nomadisierenden Stämme, die seit alters her durch die endlose Steppe im Zentrum Eurasiens wanderten, erlitten viel Not, wurden in zahlreiche Kriege verwickelt und machten sich immer wieder auf den Weg. Lange Zeit wurden sie als Vasallen an das Russische Kaiserreich angebunden. Sie wurden von Dsungaren, Oiraten oder Chinesen überwältigt. Die binationalen Ehen wurden zunehmend geschlossen, so änderte sich das charakteristische Äußeres der Ethnie, der nomadische Geist des kasachischen Volkes blieb jedoch unverändert und lebt auch heute in den erstaunlichen Steppenweiten. Hier erstreckten sich die großen Karawanenstraßen, alte Zivilisationen sind aufgestiegen und nieder gegangen. An diese Zeiten erinnern inzwischen hervorragende historische sowie architektonische Denkmäler, die immer noch verblieben sind.

Die wirkliche Stammmutter des modernen Kasachstans darf sich die Goldene Horde nennen. Das ist ein mittelalterlicher Staat, der 1266 unabhängig wurde und Anfang 1320er den Islam zur Staatsreligion erklärte. Nach 136 Jahren wurde das Kasachen-Khanat auf diesem Gebiet gegründet, das sämtliche kasachischen Nomaden vereinigte und den Frieden in der unruhigen Steppe herstellte. Im 16. Jahrhundert zählte die Bevölkerung des Khanats bereits über 1 Mio. Einwohner! Das war ein starkes und blühendes Land, das innerhalb von 400 Jahren seiner Existenz viel erlebt und erlitten hat und auch im schönen modernen Staat mit reicher Geschichte, dem unabhängigen Kasachstan, seine Wiedergeburt erlebt.

Alasha Khan Mausoleum

Offensichtlich mussten die Baudenkmäler aus der Zeit der Goldenen Horde als moralischer Hinweis auf jahrhundertelange Geschichte den Nachfahren verblieben werden. Das Mausoleum des Alasha Khans zählt zu den ältesten Kulturdenkmälern aus frühem Mittelalter (11. bis ins 12. Jh.). Alasha Khan war der berühmteste Führer der Kasachenstämme. Sein Ruhm verbreitete sich so allgemein durch die ganze Steppe, dass die Gliederung in Schüs bzw. Horden seinem Beschluss zugeschrieben ist. Inzwischen gilt er auch als Stammvater unterschiedlicher Völker wie Baschkiren, Kirgisen, Karakalpaken sowie Kasachen selbst.

Genauso gravierend unterscheidet sich das Grabmal von anderen mittelalterlichen Bauwerken. In Mittelasien ist ein solcher Baustil sehr selten vorkommend. Damit erscheint das Gebäude monumental, würdevoll und besonders beeindruckend. Strenge Maßhaltigkeit, schlicht gehaltene Fassadendekoration, starke sechskantige Säulen und hoher Arkadengang verleihen dem Bau eine orientalische Note mit der Straffheit der Steppe. Das ist wirklich eindrucksvoll anzusehen.

Wissenswert:

Dieses Baudenkmal ist mit dem Auto erreichbar. Die Besichtigung und das Fotografieren sind grundsätzlich kostenfrei. Sie müssen aber die Reise durch eine überaus dürre Steppe unter glühender Sonne in Kauf nehmen (in der warmen Jahreszeit). Am schönsten sieht diese Gegend im Frühjahr aus, wenn die Steppe blüht und die kräuterduftende Luft gar mancher den Kopf verdrehen kann. Dieser Eindruck wird durch die großartige, mehrere Jahrhunderte alte Anlage unterstützt. Das Mausoleum liegt zwei Kilometer vom rechten Ufer des Flusses Kara-Kengir entfernt, nahe zum Dorf Malshybay im Gebiet Qaraghandy. Sie können einfach hinfahren und dann die Einheimischen fragen, wie das Denkmal zu erreichen ist, sich etwas Essbares besorgen oder sich sogar regionale Köstlichkeiten schmecken lassen.

Dschötschi Khan Mausoleum

Obwohl es sich bei Alasha Khan und Dschötschi Khan tatsächlich um zwei unterschiedliche Personen handelt, sind manche Historiker allerdings immer noch auf der Suche nach der Begründung der anderen Version. Da es aber keine triftigen Argumente gibt, um das Umgekehrte zu behaupten, erzählen wir Ihnen über das Dschötschi-Khan-Mausoleum. Es wurde auf dem Grab des ältesten Sohnes des berühmten Heerführers und Eroberers, Dschingis Khan, erbaut. Dschötschi war der Lieblingssohn seines wuchtigen Vaters und übernahm seinen Ruhm und die Verwaltung der größten Gebiete bei der Teilung der eroberten Länder. Bedauerlicherweise wurde er im Alter zwischen 30 und 40 Jahren plötzlich krank und starb ein halbes Jahr vor dem Tod Dschingis Khans. Damals musste mit dem Bau dieses prächtigen Grabmals gestartet werden. Die Qualität seiner Ziegelsteine finden die Bauwissenschaftler auch heute erstaunlich. Dem Geheimnis ihrer Herstellung kann aber noch niemand auf die Spur kommen. Der bekannten Legende nach sollte der Ton mit dem Kumys durchmischt und die Ziegel mit dem Fett der Fettschwanzschafe, Kurdyuk, gebrannt werden.

Das Gebäude des Mausoleums stellt eine massive Portal- und Kuppelanlage dar. Seine himmelblaue Kuppel glänzt im brennenden Sonnenlicht und überzeugt nuanciert durch tiefe rotbraune Farbe der gebrannten Ziegel. Am Eingangsbereich finden Sie ein hohes, mit Fliesen geschmücktes Portal und das Fischgrätmuster verleiht ihm einen weit monumentaleren Charakter. Im Innenraum erinnert alles an die alten Zeiten. Das Licht fällt durch eine Öffnung in der Kuppel. Damit wird eine ausreichende Beleuchtung auch ohne Fenster erreicht, sodass es wohl ein Gefühl von Ruhe und keine Angst entstehen lässt. Gehen Sie die Treppe links vom Eingang hinauf, können Sie die schöne Aussicht bewundern, die sich kaum seit fast tausend Jahren veränderte, wie es noch unsere nomadischen Vorfahren gekannt hatten.

Wissenswert:

Das Grabmal kann man im Rahmen einer Führung besichtigen oder ist auch mit dem Auto erreichbar. Es liegt am linken Ufer des Flusses Kara-Kengir und ist 55 Kilometer nordöstlich vom Schesqasghan und 12 Kilometer vom landwirtschaftlichen Betrieb Sarykengir entfernt. Die Kosten für eine Einzelführung betragen von 10 bis 15 Tsd. Tenge. Mit einem zur Verfügung stehenden Kraftfahrzeug kann der Kostenaufwand ganz schön minimiert werden. Dann verlieren Sie aber die Möglichkeit, die spannende Geschichte dieses Ortes und die volksmündlichen Überlieferungen durch die Erzählung des Reiseführers vermitteln lassen.

Mausoleum von Hodscha Ahmad Yasawi

Zu Recht gilt das Mausoleum von Hodscha Ahmad Yasawi als ein weiteres legendäres Kulturdenkmal und architektonisches Highlight der mittelalterlichen Baukunst in Mittelasien. Es gehört auch zu UNESCO-Welterbestätten, da es das einzige, nahezu unverändert gebliebene der vier Bauwerke von Timur Lenk aus 14. Jahrhundert ist. Bei seiner Errichtung fanden zudem innovative, technologisch fortschrittlichste Lösungen der damaligen Architekten Anwendung. Dabei wurden zahlreiche neue baukonstruktive Ansätze etabliert, die den eigentümlichen spätmittelalterlichen Stil in der Architektur prägen. Die reichsweit geschicktesten Baumeister wurden aus allen Ecken des Reiches Timurs eingeladen. Einige Namen sind uns bekannt, weil die Ausstattung und Ausschmückungen des Mausoleums signiert wurden.

Der Innenraum zeigt sich genauso prächtig, wie es monumental und üppig von außen aussieht. Hier finden Sie silbern getupfte Türbänder, schwere Leuchten aus Bronze und sogar eine riesige, mit Wasser gefüllte Bronzeschale. Beim Ausbau kommen die orientalischen Motive in den Vordergrund. Das Gebäude besticht mit zahlreichen Hallen für unterschiedliche Zwecken. Insgesamt sind 36 davon: für Versammlungen, Diskussionen, Gottesdienst, gemeinschaftliches Lesen. Außerdem gibt es hier eine Bibliothek, einen Waschraum, einen Speisesaal sowie die Zellen für Pilger, die auf Ländereien des Heiligtums wohnen.

Wissenswert:

Das Mausoleum befindet sich im südlichsten Gebiet Kasachstans, auf dem Territorium des heutigen Turkestans. Vom Busbahnhof Altyn Orda aus kommen Sie hier mit einem Linienbus. Die Strecke beträgt etwa 3 Kilometer. Das ist die kostengünstigste Option mit wenig Aufwand. Eine Eintrittskarte kostet kaum mehr als die Fahrt, so ca. 200 Tenge. Dieser Ausflug bereitet Ihnen aber viele positive Eindrücke! Jeder Besucher fühlt sich schon in den ersten Minuten hier so, als ob man ein paar hundert Jahre zurückgeschickt würde und in ein orientalisches Märchen gelangte.

Arystan Bab Mausoleum

Die Geschichte der Errichtung des Mausoleums von Hodscha Ahmad Yasawi ist eng mit dem Heiligtum von Arystan Bab verbunden. Arystan Bab war der geistliche und religiöse Lehrer von Yasawi. Sein Beistand spielte bei der Erkenntnis des göttlichen Wissens eine große Rolle. Dies ermöglichte die Gründung der größten Sufi-Gemeinde in Mittelasien durch Yasawi. Vielen Legenden nach sollte der Bau des Mausoleums von Hodscha Ahmad Yasawi mehrmals scheitern, bis Timur Lenk im Schlaf inspiriert wurde, dass zuerst seine vorzüglichste Hochachtung gegenüber Arystan Bab zum Ausdruck gebracht werden müsste. Nur dem Lehrer verdanken wir seinen Schüler, der „das Licht des Islams über die Steppe brachte“. Im 12. Jahrhundert wurde also das Mausoleum erbaut.

Das Bauwerk konnte bis in die Gegenwart nicht unverbaut bleiben. Zuerst wurde es nach der Belagerung der Stadt Otrar zerstört. Später wurde das im 15. Jahrhundert umgebaute Gebäude durch ein Erdbeben zerstört. Im 18. Jahrhundert wurde es wieder umgebaut, lag jedoch später wieder in Trümmern. Das heutige Aussehen erhielt das Mausoleum nur im Jahre 1971. Das ist ein grandioses Bauwerk aus gebrannten Ziegeln. Die Hauptfassade wird durch Minarette, ein ganz besonderes Mauerbild und hohen Spitzbogen geschmückt. Das Grabmal ist in die Grabstätte mit sterblichen Überresten des Heiligen und in die Grab- bzw. Gedächtnismoschee gegliedert. Unerlässlich nimmt jede Pilgerreise zum Mausoleum von Hodscha Ahmad Yasawi genau hier ihren Anfang, um zuerst dankbar seines Lehrers, Arystan Bab, zu gedenken.

Wissenswert:

Das Mausoleum ist aus der Stadt Schymkent erreichbar. Hier können Sie organisierte Führungsangebote finden oder einfach eine öffentliche Verkehrslinie benutzen. Die Eintrittspreise sind niedrig. So fallen die Kosten nur im Zusammenhang mit der Hinfahrt und Ihrem Aufenthalt an.

Aisha Bibi Mausoleum

Die Geschichte der Errichtung dieses Mausoleums ist wohl die schönste. Romantisch und tragisch ist sie gleichzeitig auch. Dieses Grabmal umhüllen die Legenden und Zauberkraft. So kommen hier die Familien und Liebespaaren aus aller Welt, um Gott um Frieden, lange Liebe und Harmonie zu bitten.

Wie der Volksmund sagt, lebten Aisha Bibi, Tochter des Reichen Hakim-Ata, und Karahan, Führer einer nicht besonders edlen Sippe, einmal auf der Erde. Seien sie einander kaum begegnet, wurden sie sofort von Leidenschaft entflammt. Der Vater der Schönen war jedoch ihrer Ehe entgegen. Karahan kehrte betrübt heim. Die junge Dame konnte aber die Trennung nicht ertragen und entfloh ihrem Elternhaus mit ihrer Amme Babazha im Schutz der Nacht. Als ihrem Vater von diesem Fehlverhalten bekannt wurde, verfluchte er die Geliebten und versicherte sie, dass sie nie zusammen seien. So ist es auch geschehen. Das Mädel wurde von einer Schlange gebissen, als die Reise zu Ende war. Karahan kam so schnell wie möglich und die Geliebten konnten eine Ehe schließen. Nach dem Tod von Aisha Bibi errichtete ihr von Kummer niedergedrückter Ehemann Karahan ein prächtiges Grabmal, das mit seiner Pracht und perfekter Geometrie jeden sprachlos macht, der es nur ansieht. Bis zu seinem Tod brachte Krahan jeden Morgen die fünf roten Rosen zum Grab und sprach von seiner Liebe zu Aisha Bibi. Das Mausoleum wurde auch so erbaut, dass er auch nach seinem Tod die Grabstätte seiner Geliebten sehen könnte.

Heutzutage besuchen die Jungverheirateten aus Taras und benachbarten Gebieten am Tag ihrer Eheschließung traditionell das Grabmal von Aisha Bibi und Krahan. In gutem Glauben sind sie überzeugt, dass sie auf dieser Weise eine Nachricht den Geliebten geben und von diesen gesegnet werden, eine lange und glückliche Ehe zu führen. Das ist eine schöne Tradition, die das Herz mit Wärme und Glauben an ewige Liebe füllt. Das Mausoleum lockt auch viele Touristen an, so ist die Gegend nie öd.

Wissenswert:

Das Mausoleum befindet sich im Dorf Aisha Bibi im Gebiet Schambyl wenige 18 Kilometer von der Stadt Taras entfernt. Es ist auch mit dem Auto erreichbar. Mit einer schweren Fahrt ist aber zu rechnen. Sie können auch eine Reiseführung wählen und bereits mehrere Heiligtümer an einem Tag besichtigen. Alles kommt auf finanzielle und zeitliche Ressourcen an. Selbstverständlich ist ein Ausflug mit dem Auto am kostengünstigsten. Die Besichtigung von Heiligtümern ist so gut wie gebührenfrei. Die anfallenden Kosten beziehen sich dann nur auf die Hinfahrt und Ernährung. Dabei besteht aber die Gefahr, etwas Interessantes zu versäumen. Jede Führung richtet sich gezielt darauf, den Reisenden möglichst mehr zu zeigen und zu vermitteln.

Dieser Artikel ist für alle geschichtlich Interessierten verfasst, die sich für die Geschichte des kasachischen Volkes, seine uralten Legenden, Sagen und zauberhafte orientalische Märchen interessieren. Die entzückenden Kuppelanlagen, Bogen, Minarette, geschickte Muster, Ausschmückungen und Schriftzeichen wie in bekannten Märchen aus Tausendundeiner Nacht faszinieren die Besucher des Landes, sodass sie diese heiligen Orte immer wieder anschauen möchten. Bitte beachten Sie unsere Liste, wenn Sie eine Reise durch unser schönes Land planen. Besichtigen Sie bereits das einzelne, oben aufgeführte Mausoleum, machen Sie alles Mögliche, um andere auch zu besuchen!